Devisenmarkt: Grundlagen


Devisenmarkt: Grundlagen
Devisenmarkt: Grundlagen
 
Auf dem Devisenmarkt wird der Preis für eine Währung, der Wechselkurs, durch Angebot und Nachfrage nach Devisen bestimmt. Devisen sind ausländische Zahlungsmittel, die sich im Allgemeinen in Form von Buchgeld im Besitz von Inländern befinden. Ausländische Banknoten und Münzen hingegen werden als Sorten bezeichnet. Der institutionalisierte Devisenmarkt ist die Devisenbörse. In Form des Interbankengeschäfts versuchen die Banken jedoch bereits, ihre Kauf- und Verkaufaufträge von Devisen auszutauschen, ohne an der Devisenbörse tätig zu werden. Dort werden werktäglich die Wechselkurse allgemein verbindlich durch amtlich bestellte Devisenmakler festgelegt (Fixing). Der Geldkurs ist der Kurs, zu dem die Banken ankaufen, der Briefkurs der Kurs zu dem sie verkaufen, der Durchschnitt beider ergibt den Mittelkurs. Mit der Einführung des Euro werden ab 4.1.1999 anstelle des amtlichen Fixing für 17 Währungen (z. B. US-Dollar, Pfund Sterling, Schweizer Franken, japanischer Yen) von der Europäischen Zentralbank in einem Abstimmungsverfahren mit den Zentralbanken Referenzkurse im Sinne von Mittelkursen ermittelt und veröffentlicht. Die Devisengeschäfte, die auf dem Kassamarkt getätigt werden, müssen innerhalb von zwei Tagen durchgeführt werden. Der Wechselkurs, der auf dem Kassamarkt gilt, heißt entsprechend Kassakurs (Spot Rate). Werden Devisen zu einem späteren Zeitpunkt angeschafft, ihr Kurs aber bereits jetzt festgelegt, erfolgt dies auf dem Terminmarkt zum entsprechenden Terminkurs. Solche Termingeschäfte dienen häufig der Kurssicherung (Hedging) und haben meist Laufzeiten von einem bis drei Monaten.
 
 Wechselkurs und Außenwert einer Währung
 
Der Wechselkurs einer Währung kann in Preis- oder Mengennotierung dargestellt werden. Die Preisnotierung gibt den Preis einer ausländischen Währungseinheit in inländischer Währung wieder (0,91 Euro / 1 US-Dollar). Die Mengennotierung, der Kehrwert des Wechselkurses, gibt dagegen die Menge an ausländischer Währung an, die man für eine Einheit an inländischer Währung erhält (1,10 US-Dollar / 1 Euro). Während es in Europa traditionell üblich ist, den Wechselkurs in Preisnotierung auszuweisen, greift man insbesondere an der US-Börse auf die Mengennotierung zurück. Der Außenwert einer Währung ist die Menge ausländischer Währungseinheiten, die man für eine Einheit der inländischen Währung erhält, entspricht also der Mengennotierung des Wechselkurses. Ein solcher Außenwert der Währung wird von den Statistiken der Deutschen Bundesbank meist gegenüber unterschiedlichen Ländergruppen ausgewiesen, um die Entwicklung der inländischen Währung im Vergleich darzustellen.
 
 Abwertung und Aufwertung
 
Die Abwertung (Devaluation) ist die Verminderung des Außenwertes einer Währung. Der Wechselkurs in Preisnotierung steigt, da sich der Preis für ausländische Währungen erhöht. Entsprechend sinkt die Mengennotierung dieser Währung, weil man nach einer Abwertung weniger Einheiten an ausländischer Währung für die gleiche Menge an Inlandswährung erhält. Entsprechend ist die Aufwertung die Erhöhung des Außenwertes einer Währung. Infolge einer nominalen Aufwertung erhält man mehr Einheiten an ausländischer Währung gegen eine Inlandseinheit (gestiegener Außenwert) bzw. zahlt einen geringeren Preis für eine Einheit der ausländischen Währung (gesunkener Wechselkurs).
 
In einem System fixer Wechselkurse geschieht die nominale Ab- oder Aufwertung durch eine diskretionäre Neufestsetzung des Wechselkurses gegenüber der Leitwährung. In einem System flexibler Wechselkurse wertet eine Währung durch einen Nachfrageüberhang auf dem Devisenmarkt auf bzw. wertet aufgrund eines Angebotsüberhangs ab.
 
 Realer und nominaler Wechselkurs
 
Bei einer Betrachtung der Wechselkursentwicklung ist zwischen nominalem und realem Wechselkurs zu unterscheiden. Der reale Wechselkurs ergibt sich dabei aus dem um internationale Preisunterschiede bereinigten nominalen Wechselkurs. Zur Deflationierung des nominalen Wechselkurses sind u. a. Verbraucherpreisindizes sowie Lohnstückkosten gebräuchlich. Da der Verlauf des realen Wechselkurses widerspiegelt, wie sich die Kaufkraft der inländischen Währung im Ausland entwickelt, ist er ein wichtiger Indikator der internationalen Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Meist wird bei dieser Betrachtung auf den effektiven, realen Außenwert einer Währung zurückgegriffen. Hierzu werden die bilateralen nominalen Außenwerte einer Währung gegenüber einzelnen Ländern, der EU oder den wichtigsten Handelspartnern inflationsbereinigt und gewichtet (gemäß der Bedeutung eines Landes oder einer Ländergruppe für den Import und Export von Industrieerzeugnissen). Mit dem Übergang zur Europäischen Währungsunion berechnet die Europäische Zentralbank für alle Teilnehmerländer einen gemeinsamen Außenwert des Euro gegenüber Drittländern.

Universal-Lexikon. 2012.

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  • Devisen — finanzielle Mittel; Valuta (fachsprachlich); Kapital; Währung; Geld; Zahlungsmittel * * * Devisen   [zu Devise, da auf den ersten Auslandswechseln ein Spruch stand], ausländische Zahlungsmittel im Besitz von Inländern; bankwirtschaftlich: A …   Universal-Lexikon

  • Kurs — Seminar; Bildungsmaßnahme; Weiterbildung; Kursus; Workshop; Training; Lehrgang; Devisenkurs; Wechselkurs; Kursnotierung; Quotation; Börsennotie …   Universal-Lexikon

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  • Wechselkurssystem — Als Wechselkurssystem (auch Wechselkursregime, Währungssystem) bezeichnet man die Art und Weise, wie sich der Wechselkurs, also die Tauschrelation zwischen zwei Währungen, nach bildet. Es lassen sich zwei Grundformen unterscheiden: Bildet sich… …   Deutsch Wikipedia

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